Heute wird’s mal wieder ein bisschen philosophisch … eine kleine Anregung zum Nachdenken darüber, wie “wir” (also ich nicht, aber doch noch sehr viele Hundemenschen und auch Trainer) das Zusammenleben mit hochsozialen Wesen – wie es Hunde nunmal sind – sehen und das auch vollkommen ok bzw. sogar gut finden.

“…klarer, durchgearbeiteter Gehorsam …  der Schlüssel zu echter Freiheit. Gehorsam bedeutet: Der Hund führt Kommandos zuverlässig und ohne Zögern beim ersten Mal aus.”

Welches Mindset ist denn das bitte?
Ich bin die Herrin und der Hund hat mir zu dienen?
Von welcher “echten Freiheit” ist denn da die Rede?

Echte Freiheit ist eine romantische Idee, weil ja auch wir Menschen nicht wirklich frei sind. Wir können uns auch nicht immer zu 100% ausleben, weil es eben gewisse Vorgaben in der Gesellschaft gibt, die wir mittragen wollen und uns dadurch selbst einschränken.

Für Hunde gilt das noch viel mehr, denn irgendwann haben wir (als menschliche Gesellschaft) beschlossen, dass die Jagd uns alleine gehört und Tier das gar nicht mehr dürfen (btw nicht einmal Wildtiere – sonst hätten wir ja nicht immer wieder die unsäglich Wolfs-Diskussion). Somit fällt diese Freiheit für unsere Hunde schon mal weg. Okay, sie haben dafür den Vorteil, sich um die Nahrungsbeschaffung gar nicht kümmern zu müssen und dabei rundum versorgt zu sein.

Das zweite wichtige Thema (neben Essen) ist die Fortpflanzung – Freiheit? Nö, Fehlanzeige – auch die wird von uns Menschen (aus gutem Grund) untersagt.

Also was bleibt dann noch übrig an “echter Freiheit”?

Natürlich ist es sinnvoll und wünschenswert, dass unsere Hunde sich gesellschaftlich angepasst verhalten können. Dazu ist ein willenloser Gehorsam aber nicht notwendig und uU sogar kontraproduktiv.

Wagen wir – mal wieder – den Perspektivenwechsel: was bedeutet Denn “… führt Kommandos zuverlässig und ohne Zögern beim ersten Mal aus”?

Das heißt für mich, dass dieses Lebewesen ständig an den Lippen seines “Befehlshabers” hängen muss! Da ist in Wirklichkeit gar nix mehr mit Freiheit. Mich stresst schon alleine die Vorstellung, dass ich 24/7 aufpassen müsste, was jemand von mir möchte und – egal, womit ich gerade beschäftigt bin – SOFORT alles fallen lassen muss, sobald ich ein Kommando höre! Einfach mal entspannt in der Gegend herumschauen, sich in der Welt der Gerüche verlieren – Fehlanzeige.

Während ich das so ausformuliere, werde ich gerade richtig traurig. Bisher haben sich mir schon immer bei Begriffen wie Gehorsam oder Perfect Heelwork die Haare aufgestellt. Jetzt beim Schreiben wird mir aber die Tragweite erst bewusst. Wenn man das wirklich durchzieht, sind Entspannung und das kleine Bisschen “Selbstverwirklichung” (soll heißen: ich mach das, weil ich es alleine kann und gerade möchte) für gehorsame Hunde überhaupt nicht möglich … ein Leben lang!

Wie traurig ist denn das?

Bitte nicht falsch verstehen: ich bin natürlich nicht dafür, dass jeder Hund (oder Mensch) tun und lassen kann, was er/sie will.
“Gute Erziehung” geht für mich aber ganz anders, nämlich indem ich den Hund dazu ermächtige, gute Entscheidungen zu treffen!

Dass in meiner Nähe bleiben besser ist als abzuhauen, mal bei mir nachzufragen besser ist, als auf Verdacht irgendwo hinzurennen oder jeden Sch*** zu fressen. Dass sich die Kommunikation mit mir IMMER lohnt … und ja, das fordert uns manchmal auch ganz schön, weil die meisten Hunde wirklich kommunikativ sind.

Aber wenn wir uns daran gewöhnen, dass wir im laufenden Austausch / Gespräch mit dem Hund sind, wird so vieles einfacher, selbstverständlicher und entspannter – für beide Mensch und Hund!

2 Kommentare

  1. So ein wichtiger und wunderschön gedachter Beitrag, Karin 💜
    Deine Sicht auf „Gehorsam“ trifft genau ins Herz – mehr Verbindung statt Befehl, das ist der Weg 🐾

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