Was ist Mantrailen?

Wie der Begriff schon in der Übersetzung aus dem Englischen sagt, verfolgen wir mit dem Hund die Spur (trail) eines Menschen (man). Im Unterschied zur Fährtensuche, wird der Hund beim Mantrailen auf die Verfolgung eines Individualgeruchs trainiert. D.h. es wird ein ganz bestimmter Mensch gesucht … und die Geruchs-Spur kann auf verschiedensten Untergründen (Wiese, Waldboden, Asphalt, Stein, Fliesen, …) verfolgt werden.

Die Ausbildung erfolgt im Hund-Mensch-Team, der Hund wird von seinem „Handler“ immer an der Leine (mit Brustgeschirr) geführt und hat dabei die Aufgabe, Hilfestellung zu leisten: energiesparend arbeiten, Umwelt-Gefahren wie Straßenverkehr richtig zu erkennen und zu vermeiden. Somit kann der Hund sich auf seine Arbeit – die Verfolgung der Spur – konzentrieren. Der Mensch muss also seinen Hund “lesen” können und verstehen, was ihm dieser „sagen“ möchte.

Soweit die die Lehrbuch-Theorie!
Was sich für mich als optimaler Weg erwiesen hat, ist, dass wir gemeinsam die Selbstsicherheit deines Hundes auf dem Trail entsprechend aufbauen und er sich so durch unsere menschlichen “Schwächen” (das kann bei sehr sensiblen Hunden schon ein Schritt zu viel sein) nicht aus der Arbeit bringen lässt.
Den Hund lesen zu können ist ebenfalls eine wunderbare Theorie, die sich in der Praxis meist gar nicht umsetzen lässt. Wir haben hier das Thema, dass Hunde ganz viele Signale senden – und das in unheimlich hoher Frequenz. Daher kommt durch die Übung und Erfahrung mit unserem Hund ein “Bauchgefühl”, das diese vielen Signale für uns spürbar macht. Du darfst dir also bitte nicht erwarten, dass du ein Vokabelheft bekommst, das eine Übersetzung “Hund – Mensch” enthält und mit dem du immer alle Hunde lesen kannst. Außerdem “spricht” jeder Hund anders, manchmal ergeben sich Ähnlichkeiten bei gewissen Rassegruppen, aber wie so vieles ist die Arbeits- und Ausdrucksweise sehr individuell (und kann sich zusätzlich im Laufe des Hundelebens auch ändern).

Warum heißt es bei uns Trailing?

Wir lassen ganz gerne den “man” weg … weil es den Hunden ziemlich egal ist, wen oder was sie suchen!
Natürlich gibt es – auch hier – individuelle Vorlieben und beides (Menschen- und Dummy-Suche) hat Vorteile. Wir starten meist mit Mantrailing, weil der Hund direkt bei der gesuchten Person belohnt wird (Ausnahme: wenn der Hunde mit fremden Menschen gar nicht kann). Die Dummy-Suche läuft grundsätzlich nach demselben Schema ab und auch ein Dummy hinterlässt eine Spur. Der Vorteil von Dummies ist allerdings, dass sie sich viel kreativer verstecken lassen, geduldig auch einige Stunden oder sogar Tage warten und vom Hund optisch fast nicht erkannt werden, womit er “gezwungen” ist, bis zum Ziel ausschließlich mit der Nase zu arbeiten.

Wofür ist Mantrailen gut?

Das erste was sich verändert, ist die Beziehung zum eigenen Hund: im Team kann sich einer auf den anderen verlassen – und das setzte sich in der trail-freien Zeit fort.

Nach den ersten „Entdeckertrails“ – wenn also der Hund seine Aufgabe verstanden hat – werden wir von unseren Tieren immer wieder überrascht: trotz Wind, Regen, Sonne oder Schnee finden sie die richtige Spur auch noch nach einigen Tagen oder sogar Wochen. Das macht die Faszination Trailen aus!

Für den Hund ist Trailen eine sinnvolle Beschäftigung, die Körper und Geist auslastet (und das in relativ kurzer Zeit). Grundsätzlich entspricht ein Trail für etwas Fortgeschrittene ungefähr einer Futtersuch- oder Jagdsequenz: ungerichtetes Suchen der Spur – gerichtetes Suchen auf der Spur – finden – Belohnung (im Normalfall Futter). Im Leben von freilebenden Hunden oder auch Wölfen nimmt die Futterbeschaffung einen Großteil der aktiven Zeit in Anspruch.

Nachdem den Großteil der Arbeit unser Hund erledigt, haben wir Menschen viel Zeit, ihn dabei zu beobachten und somit auch seine eigenen Entscheidungen: welche Wohlfühldistanz hat mein Hund zu fremden Menschen, Kindern, anderen Hunden,… Diese Information kann uns im Alltag sehr viel weiterhelfen, sodass wir uns zumindest bewusst sind, welche Situationen für den Hund unangenehm oder vielleicht sogar richtiger Horror sind – dazu gibt es ja meist Alternativen und wir sind entsprechend vorbereitet.

Und wie du am besten mit dem Trailen anfängst, erfährst du in diesem Blog-Artikel:
weiter zum Blog!

Wenn du dich noch weiter einlesen möchtest … hier gibt’s noch mehr zu den Themen:

Ausrüstung

Geruchsartikel

Belohnung

Fachausdrücke (die “Vokabel-Liste”)